cohen

Hallelujah (in memoriam Leonard Cohen)

Der Herr im Nadelstreifenanzug, der so elegant den Hut zieht,

ist Poet von Beruf und aus Berufung – Womanizer mit Worten.

Seltenes Aphrodisiakum, diese sinnliche, brüchige Stimme,

die Frauen zu verführen vermag von Manhattan bis Berlin.

Der Sänger braucht nur I’m your man anzustimmen,

schon hängt Weiblichkeit willenlos an seinen Lippen.

Lover Lover Loverhimmeln sie den Barden an,

flehen Come healingund warten auf ein Wunder.

Jedoch, die Lust und Leidenschaft der Leiber 

bedeutet Leonard nichts ohne platonische Passion.

Gefühle ohne Geist sind verschwendete Lebenszeit –

im Spiel der Musen erst gestaltet sich wahres Verlangen.

Liebe ist die Kunst, eines Menschen Freiheit zu ertragen,

Sehnsucht, Begehren und Lassen – unheilbar schönes Leiden.

Wie oft schon hat Cohen Liebeswalzer bis zum Ende getanzt,

von der Begegnung mit Suzanne bis zu So long, Marianne.

Barmherzige Schwestern – Geschöpfe der Dichterphantasie, 

wie die Frau, die auf dem Dach ein Bad im Mondlicht nimmt.

Göttlichste Eroberung: Eine Schöne im blauen Regenmantel.

Nackt und bereit darunter. Perfekter Körper, der die Sinne raubt.

Er flüstert ihr eine Zeile ins Ohr, teilt das offene Geheimnis mit ihr:

Verliebte tragen jedes Mal eine neue Haut für die alte Zeremonie.

So häuten sie sich, Verse münden im Venusdelta, öffnen es weit –

Aphrodite und Amor jubeln im Chor, in Harmonie vereint: Hallelujah!